Dienstag, 30. September 2008

De viaje con tres Malgarolis: Santa Cruz - Chapare - Cochabamba

Nach dem tollen Einstand, den Arno und Silvia mit dem Espejillos-Trip erleben durften, brauchten wir erst mal einen Tag Pause um uns reisefit zu machen. Dann gings aber endlich los, über ein 1 Jahr nachdem ich hier ankam, endlich mal Ferien, caramba!
Doch, was erwartet uns frühmorgens? Garstiges Pisswetter, uuuuurgh. Ich musste das Auto wirklich direkt vor die Hütte parkieren, da unser Garten unter Wasser stand und zu einer Schlammpiste mutierte.





















So sieht das dann eben in der Stadt aus. Schnell die Fenster zu!

















Dafür wars nicht so heiss. Wir nahmen die schnelle Tieflandrute nach Cochabamba, die über den Chapare führt. Dort wird das Coca für die Kokainherstellung angebaut, also aufgepasst.

Hier sieht man den fast trockenen Piraí, der auch an Santa Cruz vorbeifliesst.

















Hier rechnen alle damit, dass der Fluss im nächsten Sommer in der Regenzeit, also nächsten Januar/Februar, eine Abkürzung durch die Strasse nehmen wird. Den Einwohnern von Portachuelo, das gleich um die Ecke liegt, gefällt dies nicht. Es ist natürlich die einzige Brücke weit und breit. Nun was macht da der gute olivianische Demokrat? Na klar, einen Bloqueo! Es hat sogar genützt. Mittlerweile sind Strassenarbeiter daran die Böschung zu befestigen. Mal schauen obs reicht...


















Im Fluss wäscht man alles: Töff, Haare, Kleider, Auto, Bus und den Milchtransporter (Pil im Hintergrund. Beste Milch übrigens hier... schmeckt wie schweizer Alpenmilch).


















So kann man hier wohnen, hammeridyllisch.

















So hammeridyllisch! Nun ja, wer nicht gerade zwei Bäume zur Hand hat, dem tuts auch ein Lastwagen.

















Kurzer Stop in Buenavista. So sehen die Telefonzellen aus. Hier, entsprechend dem nahen Amboró-Nationalpark, mit einem Jaguar.






















Unterwegs trifft man so allerlei. Ein hiesiger Schulbus...

















...oder zwei kopulierende Lastwagen.

















Notorischer Dieselmangel. Die Schlangen vor den Tankstellen sind hunderte von Metern lang, auch wenn es gar kein Diesel hat. Wenn aber ein Tanklaster kommt, sollte man parat sein. Gut, wenn man nen Benziner hat. Säuft zwar mehr, dafür wird die Schlange locker links überholt und ran an die Zapfsäule.

















Eine von vielen Kontrollstellen, wo man nie so recht weiss, was genau kontrolliert wird. Je nach Laune des Polizisten muss der Fühererausweis, Fahrzeugausweis, ID oder was auch immer gezeigt werden. Dann wird schön fein säuberlich Namen, Nummernschild, Farbe, Jahrgang, etc von Hand in ein Schulheft notiert. Weiss der Gugger wer das dann mal nachliesst. Ab und zu verlangen sie auch nach collaboracion, also Schmiergeld in die eigene Tasche. Man muss aber nichts geben.

















Hier muss man schon ein wenig besser aufpassen, die FELCN (=Drogenpolizei) Kontrollstelle eingangs des Chapare. Wenn man Pech hat, nehmen sie einem das ganze Auto auseinander. Wenn man schlau ist, nicht. Unschuldiger Blick aufsetzen und einen auf Touri machen. Er wollte dann jedoch trotzdem in unseren Kofferraum schauen. Als Corina dann fragte, ob sie denn keine Drogenhunde hätten, die finden die Drogen doch viel einfacher und schneller, konnten wir subito weiterfahren. Er bejahte übrigens. Wir haben jedoch noch nie einen Drogenhund gesehen.


















Ab Villtunari gings dann steil bergauf. Wir mussten von ca. 250 MüM auf über 3000 MüM klettern, Cochabamba liegt auf ca. 2600 MüM. So auf halber Höhe erreicht man die Bergnebelwälder die den Yungas im Norden bei La Paz gleichen. Wunderschöne Wälder, üppige Vegetation mit Riesenfarnen und feuchtes Klima.

















Ziemlich mystisch, aber auch gefährlich, vor allem wenn der Laster mit 20 KmH den Laster mit 17 Kmh in einer Rechtskurve überholt.

















Webervögel sind überall anzutreffen. Wir haben erfahren, dass das Männchen 7 solcher Nester baut und dann das Weibchen seiner Wünsche zur Besichtigung bittet. Wenn ihr keines passt, dann muss er wieder von vorn anfangen und 7 neue bauen (voll die Zickenfrauschaft, puuh).

















Kurz vor der Passhöhe die Offenbarung. Traumwetter und Traumbilder.

































Auf der Passhöhe ein Stausee.

















Schnell die ersten Cocablätter gekauft und unter die Backen geschoppt, damit wir für die Höhe auch gerüstet sind. Silvia wollte damit auf keinen Fall bis La Paz warten.

















Im Blick zurück vom Hochtal von Cochabamba Richtung Ostflanke der Kordillieren. Die Wolken stauen sich und machen aus dem Nebelwald den Nebelwald, lassen im Gegenzug kaum Wolken passieren, was die Gegend schlagartig trocken und steppenartig macht.

Sonntag, 28. September 2008

Los Espejillos #2

Los Espejillos ist einfach zu schön um nur einmal hinzugehen. Als Corinas Eltern bei uns landeten, hiess es darum am ersten Tag schon die Badehosen anzuschnallen.


Hier sieht man zwei tollkühne Stuntspringer am Werk, die gerade ihr Leben riskieren!










































Leider verpasste der Kameramann den Salto mit doppelter Schraube zwischen den beiden Aufnahmen.


























































































Auch hier ist der doppelte Auerbacher schwer zu erkennen.












































Das Auto möchte doch auch so gern ein wenig planschen.




































Gänsemarsch zur grossen cascada.

















Derweil ich mich um das Feuer kümmere, damit die frisch importierten Cervelats auch perfekt kommen, mjamjam.

















Zockerrunde.


Mittwoch, 24. September 2008

24 de septiembre

Der September ist Santa Cruz' Fest Monat. Nicht dass es sonst keine Feste gäbe, im Gegenteil. Man liebt hier Feste dermassen, dass man anstatt eines Feiertags für die Stadt, den Unabhängigkeitstag am 24. September 1810, gleich den ganzen Monat ansetzt. Da gibts z.B. Konzerte oder Freilufttheater umsonst. Dieses Jahr fiel hingegen die Party gründlich ins Wasser, was seinen Grund hatte. Dazu ist eine kurze Rückblende nötig.

Bekannterweise strebt Santa Cruz seit längerer Zeit einen gewissen Autonomiestatus an, es geht da vor allem um Geld, da Santa Cruz als reichste Provinz des Landes gilt und die Departementsregierung mit ihren Einkünften nicht die Armut im Lande bekämpfen will, wie das gerne der Indio-Präsident möchte. Man muss anmerken, dass in Bolivien keinerlei Föderalismus existiert, weder auf Departements- noch auf Gemeindeebene. Eigentlich wäre mit der neuen Verfassung, die Evo Morales ausarbeiten liess, Autonomie garantiert, allerdings nicht nur departemental, sondern auch munizipal und auch indigenal. Was letzteres genau heissen soll, weiss niemand so recht. Die Regierung von Santa Cruz, allen voran der Gobernador Ruben Costas, sowie der Führer des Comite Civico Branko Marinkovic schlugen jedoch jeglichen Dialog aus und brätelten ihre eigene Wurst. Sie liessen autonome Statuten ausarbeiten, in einer illegalen Abstimmung vom Volk absegnen und handeln in gewissem Masse seither als wären diese legal und in Kraft.

Das Comite Civico ist übrigens eine ganz bizarre Geschichte. Das ist so ein privater Klub ohne jegliche politische Legitimität und auch ohne demokratische Wahlstrukturen. Marinkovic ist eben einer jener, der zufälligerweise riesige Ländereien besitzt, der Führer des CC ist und eine unheimliche Macht hat. Eine Tochterorganisation sozusagen ist die Unión Juvenil Cruceñista (siehe Wikipedia), die Jugendorganisation des CC. Diese werden häufig als mobile Einsatztruppen gebraucht, z.B. wenn der CC einen Paro Civico ausruft. Bizarrerweise wird so ein eintägiger Generalstreik, wie wir ihn nennen würden, von diesem geschlossenen Club ausgerufen und alle müssten sich daran halten (es gibt also Ausnahmen;-). Die Unionisten kontrollieren dann die Strassen und schauen, dass auch ja niemand arbeitet. Ironischerweise reden diese beiden Gruppen jeweils immer lautstark von Demokratie, die sie verteidigen wollen (mit ihrer undemokratischen Institution) und dass sie gegen die Diktatur von Evo seien (dem demokratisch und mit ca. 67% der Stimmen bestätigten Präsidenten). Hmmm.

Ups, jetzt bin ich ein wenig ausgeschweift. Man muss dies im Hinterkopf haben, damit man versteht, was jetzt passiert ist. Nun, die Mehrheit des Landes steht hinter dem Präsidenten, im Hochland vergöttern sie ihn und sie verteidigen ihre Anliegen, wenn nötig mit Nachdruck. Die sind nämlich gar nicht zimperlich und können eine Regierung massivstens unter Druck bringen, wie schon oft geschehen. So auch, nach den Krawallen in Santa Cruz.

Die Unionistas zerstörten und plünderten ja bekannterweise Steueramt, den nationalen Fernsehsender, das Forstamt, das Grundbuchamt, die Einwohnerkontrolle und auch gleich die nationale Telecom Entel (Swisscom sozusagen). Letzteres war besonders praktisch, da nun alle 'Freiheitskämpfer' gleich noch mit einem Handy der neuesten Generation ausgerüstet sind.

Um diese staatlichen Institutionen wieder zurück zu erobern, begannen die Campesinos ersten die Stadt einzuschnüren. Alle Zufahrtsstrassen nach Santa Cruz wurden blockiert, so dass niemand mehr rein noch raus kam. War ein bisschen ärgerlich, weil zeitweise Treibstoff und Gas fehlte, sowie unsere Ferienplanung sehr erschwert wurde. Ich wundere mich jedoch heute noch, wie es die Supermärkte schafften, trotzdem immer jeden Schnick-Schnack im Sortiment hatten. Na egal. Weiter begannen die Campesinos, die weitgehend die Masistas (MAS ist die Regierungspartei) unterstützen, einen Marsch Richtung Santa Cruz und jetzt kommts. Sie wollten genau am 24. September auf der Plaza einmarschieren und sie einnehmen. Das ist wie bei Unreal Capture the Flag, wenn du dem Gegner die Flagge klaust. Wer die Plaza hat, hat gewonnen und der andere ist gedemütigt. Dies passiert anscheinend in Cochabamba des öfteren, in Santa Cruz jedoch meines Wissens noch nie.

Alle hier hatten einen gehörigen Respekt vor den Ankündigungen und bereiteten sich vor, indem sie Schaufenster mit Brettern verbarikadierten (gut liegt unser Büro im ersten Stock). Ich persönlich nahm die Sache Ernst, glaubte jedoch nicht an einen Chlapf. Nach dem letzten Debakel mit der Kamera, war ich jeoch vorsichtig und nahm nur ein wenig Kleingeld mit ins Büro.







































Hier hatte eine Gruppe Cruceños endlich den Mum um gegen die Gewalt zu protestierne und appellierten für einen Dialog. Die Cambas sind schon enorm gegen den Präsidenten, aber längst nicht alle unterstützen das Vorgehen der Unionistas.



























































































Strassen leer. Alle sind zu Hause oder am Fluss.

Die Campesinos sind schliesslich nicht gekommen. Zum Glück. Es wäre wohl nicht sehr friedlich abgelaufen.






































Das geschlossene Steueramt, beim Sturm desjenigen die eingeschlossen Polizisten über die Dächer fliehen mussten. Die Parolen sind eindeutig.